Mein Fachgebiet:                                       "Genitale Selbstbestimmung"

Aufklärung über Genitalbeschneidungen                                                 und über Zwangsheirat und "Ehr"verbrechen                                             SowIE deren Wurzeln im Patriarchalen Gesellschaftssystem

1998 begegnete mir auf einer Äthiopienreise das Phänomen der weiblichen Genitalverstümmelung. Das Leiden der betroffenen Mädchen und Frauen (damals schätzte man 120 Millionen, heute 200 Millionen weltweit) hat mich seither nicht mehr losgelassen. 

 

So hat sich dieses Thema zu einer langjährigen Beschäftigung entwickelt und ausgeweitet zu einem Fachgebiet, das ich nun  "genitale Selbstbestimmung" nenne, denn inzwischen liegt mir nicht nur der Schutz der Mädchen und Frauen am Herzen, sondern der Schutz ALLER Kinder vor den Übergriffen der älteren Generation auf ihr Geschlecht und ihr intimes Privatleben.

 

Es geht also um ein allgemeines Engagement für Kinderschutz und Menschenrechte, denn nach meiner Einschätzung kann man Mädchen und Frauen nur wirklich schützen, wenn man den Blick weitet auf das System, in dem diese Übergriffe stattfinden. Sehr eindrücklich hat das Victor Schiering, der Sprecher der Beschneidungsbetroffenen im Mogis e.V. in seiner Rede auf dem Welttag der genitalen Selbstbestimmung 2018 dargestellt: https://www.youtube.com/watch?v=LVMygfMoxXw&feature=youtu.be. 

 

Für die genitale Selbstbestimmung ALLER Kinder einzutreten war für mich ein längerer Erkenntnisweg. Und da dies in unserer Gesellschaft bislang noch kein Konsens ist, möchte ich ihn hier nacherzählen, damit Sie ihn mitdenken und dann vielleicht verstehen und im Idealfall mittragen können. Kinder können sich nicht allein schützen, und die Eltern, die sie beschneiden lassen, glauben Gutes für ihr Kind zu tun. Dieses Denken ist kollektiv tief verwurzelt und braucht unser aller Engagement, um es zu verändern. 

 

Nach der Äthiopienreise sind in zunächst zehnjähriger gemeinsamer journalistischer Arbeit mit meiner Kollegin Sigrid Dethloff diverse Artikel, Radio- und TV-Produktionen sowie zwei internationale TV-Dokumentationen entstanden. Wir bekamen mehrere Auszeichnungen dafür. 

Nach ausgiebiger Beschäftigung mit zunächst der weiblichen Genitalverstümmlung kamen wir durch Zusammenarbeit mit TERRE DES FEMMES zum Themenbereich Zwangsheirat, "Ehre", "Ehr"verbrechen und entdeckten bald Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Themen sowie deren Wurzeln in der patriarchalen Gesellschaftsordnung. Hier mehr dazu.

 

Seit 2006 halte ich Vorträge zu Zwangsheirat und weiblicher Genitalverstümmelung. In der Rubrik (Film-)Vorträge finden Sie die diversen bundesweiten Veranstaltungen, in denen ich aufgetreten bin.

 

Seit seiner Gründung im März 2007 besuche ich regelmäßig den "Runden Tisch NRW gegen die Mädchenbeschneidung" und bilde mich dadurch laufend fort.

 

2011-2014 war ich ehrenamtlich Mitglied im Vorstand von pro familia Nordrhein-Westfalen.

In dieser Zeit fiel das Kölner Beschneidungsurteil (7.5.2012), das erstmals eine nicht medizinisch begründete Jungenbeschneidung als Körperverletzung verurteilte. Zu dem Zeitpunkt wusste ich schon, dass es eine gemeinsame urzeitlich-vorreligiöse Wurzel für Genitalbeschneidungen an Mädchen und Jungen gibt. Und bereits 2003 hatte ich mit der Lektüre von Hanny Lightfoot-Kleins Buch "Der Beschneidungsskandal" erstaunt erfahren, dass das Problem der weiblichen Genitalverstümmelung keineswegs nur ein rein afrikanisches ist, sondern dass es auch eine 300jährige sexualfeindliche Medizingeschichte  gibt, die in Europa begann und noch heute in Nordamerika in der Neugeborenen-Routine-Beschneidungen an den Jungen weiterlebt.

Ich hatte also schon länger begonnen, auch die Jungenbeschneidung kritisch zu sehen. Das Kölner Urteil bestätigte meine Bedenken. Im Vorstand von pro familia NRW initiierte und organisierte ich dann im Herbst 2012 einen Fachtag zur Jungenbeschneidung. Dabei entdeckte ich erstaunliche weitere Parallelen zur Mädchenbeschneidung. Zur Vertiefung hier meine Betrachtung: "Weibliche Genitalverstümmlung versus Jungen-"Beschneidung - Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede", die inzwischen von der von der Landesregierung NRW geförderten Webseite zur Bekämpfung der Mädchenbeschneidung aufgenommen wurde. 

 

Im Frühjahr 2013, nachdem das Thema in den Facharbeitskreisen von pro familia NRW durchdiskutiert worden war, war ich Mitautorin der Stellungnahme von pro familia NRW zur Jungenbeschneidung

Im Mai 2014 vertrat ich pro familia NRW dann als Mitveranstalterin beim Wissenschaftlichen Symposium an der Universität Köln: "Genitale Autonomie: Körperliche Unversehrtheit, Religionsfreiheit und Sexuelle Selbstbestimmung - von der Theorie zur Praxis" (https://genitale-autonomie.de). 

Seither beobachte ich die Aktivitäten und Entwicklungen des "Weltweiten Tags der genitalen Selbstbestimmung" und hielt bis 2017 alljährlich Reden für und im Namen von pro familia NRW bei den Kölner Demonstrationen dieses seit 2013 jeweils am 7. Mai stattfindenden Gedenktages. 

2015 besuchte ich zwei weitere Kongresse zur Jungenbeschneidung in Frankfurt und am Essener Elisabeth-Krankenhaus  und lernte in Essen den Kinderchirurgen und Oberarzt Dr. Kolja Eckert kennen, der diesen organisierte und mit dem ich dann 2016 zu einem gemeinsamen Vortrag auf dem Kongress der Kinderschutzzentren auftrat, dessen Inhalt wir dann einem Buchkapitel zusammen gefasst haben. 

 

So habe ich mich über die Jahre gut vernetzt mit allen Fachleuten und den Vertretern der Betroffenen-Verbände - auch international - und bin über alldem selbst zur Expertin geworden.

 

Bei einer von Mogis e.V. und pro familia NRW ausgerichteten Filmtournee  war ich 2016 mit meinem Film "Hibos Lied - Beschnittene Frauen und die Macht der Tradition" beteiligt. Gemeinsam mit dem israelischen Journalisten und Filmemacher Ari Libsker, der seinen Film "Circumcision" vorstellte und dem Kölner Künstler Gregor Zootzsky, (www.gregorzootzky.de), der mit seinem Zeichentrickfilm "Hermes und Aphrodite" (https://www.youtube.com/watch?v=GCvQCvt0lpo) die Problematik der mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz von intersexuell geborenen Menschen vertrat, diskutierten wir in München, Düsseldorf, Köln, Berlin zur Frage der genitalen Selbstbestimmung. Hier ein Video-Zusammenschnitt unserer Podiumsdiskussionen und zwei Berichte über diese Tournee: ausführlich und kürzer gefasst.

 

Im September 2016 hielt ich zusammen mit dem Kinderchirurgen Dr. Kolja Eckert und dem muslimischen Betroffenen Önder Özgedey einen Vortrag auf dem Essener Kongress der Kinderschutzzentren, in dessen Folge das Buchkapitel "Beschneidung von Jungen und Mädchen - (K)ein Thema für den Kinderschutz?" entstanden ist. 

 

Am 8.5.2017 war ich Referentin beim Fachtag an der Universität Düsseldorf: "Jungenbeschneidung in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme". 

Flyer des Kongresses.

Mein Vortrag: „Das Beschneidungs-Erlaubnisgesetz und seine Resonanz in Medien und Organisationen
Abschlussresolution des Fachtages
Mein Bericht über den Fachtag. 

 

 An der Weiterentwicklung der Position von pro familia zur Genitalen Selbstbestimmung (https://www.profamilia.de/fileadmin/landesverband/lv_nordrhein-westfalen/Stellungnahme_von_pro_familia_NRW_zu_nicht_medizinisch_indizierten_Eingriffen_in_die_genitale_Autonomie_von_Kindern.pdf),  die im Mai 2018 von der Bundesdelegierten-Versammlung verabschiedet wurde, war ich im Rahmen einer Arbeitsgruppe und kontinuierlich mit Informationen unterstützend beteiligt. 


Betonen möchte ich, dass es mir um wissenschaftlich fundierte Aufklärung geht und um die Einhaltung der Menschenrechte. Wenn ein erwachsener Mensch ausreichend informiert entscheidet, sich beschneiden lassen zu wollen, ist das sein Recht auf Selbstbestimmung und möglicherweise auch sein Recht auf das Ausüben eines religiösen oder traditionellen Rituals. Kinder aber sollten nach meiner Überzeugung vor solchen Übergriffen geschützt werden, damit auch sie später, wenn sie erwachsen sind, selbstbestimmt entscheiden können, was sie für sich wollen.

 

Ich distanziere mich ausdrücklich von allen Versuchen, dieses Thema in eine fremden- oder religionsfeindliche Ecke zu drücken. Da gehört es nicht hin.

 

Laut Kindergesundheitsbericht des Robert-Koch-Institutes von 2007 waren 10,9% aller Jungen und 18 Jahren in Deutschland beschnitten, lediglich ein Elftel von ihnen aus religiösen Gründen. Es handelt sich also hier nicht, so wie es oft dargestellt wird, um ein religiöses Minderheitenthema. Es geht uns alle an.
Das Bild unten ist entstanden auf der Jahresversammlung 2017 von Intact Dänemark, ein Beleg dafür, wie multikulturell die Szene der Aktivisten für die genitale Selbstbestimmung aufgestellt ist.


Aus meiner Sicht ist die genitale Selbstbestimmung ein Beziehungsthema und zwar sowohl zwischen den Generationen als auch zwischen Mann und Frau: Die weibliche Genitalverstümmelung betrifft auch Männer als Partner von beschnittenen Frauen und als Väter, die ihre Töchter schützen könnten, wenn sie sich denn mit diesem Thema befassen würden. Auch überwiegend gilt die Mädchenbeschneidung immer noch als Frauensache. Das muss sich ändern.

 

Das gleiche gilt umgekehrt für uns Frauen: Vorhautamputationen können negative Auswirkungen auf das Sexualleben haben - auch auf uns als Partnerinnen beschnittener Männer. Entsprechendes Wissen hierzu ist wichtig. Und als Mütter können wir unsere Kinder nur wirksam schützen, wenn wir entsprechend sachlich aufgeklärt sind. Auch die Jungenbeschneidung ist also nicht nur Männersache.

 

Wer beschnitten ist, kennt es nicht anders. Die mit der Tradition einhergehende Verherrlichung der Beschneidung, die Diffamierung der Unbeschnittenen als minderwertig, die Tabuisierung, über Sexualität zu reden oder darüber, dass eine Beschneidung Schmerzen bedeutet und bleibende Folgen hat, über all dies nicht sprechen zu können, führt zu einem enormen Mangel an Wissen selbst in der Gesellschaft. Auch sind in den meisten Ländern, wo Frauen beschnitten werden, meist auch die Männer  beschnitten. Wer selbst beschnitten ist, 

kennt es also nicht anders und glaubt, das was ihm von seinen Eltern angetan wurde an den eigenen Kindern fortsetzen zu müssen, weil es doch nicht sei kann, dass die Eltern, die man liebt, einem wissentlich weh getan haben. So wurde das Ritual fortgeführt - inzwischen über Jahrtausende. Im 21. Jahrhundert sollte endlich Zeit sein, dies zu beenden. 

 

Ich möchte zur Aufklärung beitragen und komme gern zu Vorträgen, schreibe Artikel, produziere Radio- oder TV-Beträge, moderiere Diskussionen oder diskutiere mit bei diesem Themenbereich, gern auch auf Englisch und Französisch oder auch als Dolmetscherin.

 

Ich freue mich auf Ihre Anfrage.

Die Multikulturalität der Beschneidungsgegner: Intaktivisten-Treffen bei der Jahresversammlung von Intact Dänemark