Mein Fachgebiet:                                       "Genitale Selbstbestimmung"

Aufklärung über Genitalbeschneidungen                                                 und über Zwangsheirat und "Ehr"verbrechen                                             SowIE deren Wurzeln im Patriarchalen Gesellschaftssystem

1998 begegnete mir auf einer Äthiopienreise das Phänomen der weiblichen Genitalverstümmelung. Das Leiden der betroffenen Mädchen und Frauen - damals schätzte man 120 Millionen, heute spricht man von 200 Millionen weltweit - hat mich seither nicht mehr losgelassen. 

 

So hat sich dieses Thema zu einer langjährigen Beschäftigung entwickelt und ausgeweitet zu einem Fachgebiet, das ich nun  "genitale Selbstbestimmung" nenne, denn inzwischen liegt mir nicht nur der Schutz der Mädchen und Frauen am Herzen, sondern der Schutz ALLER Kinder vor den Übergriffen der älteren Generation auf ihr Geschlecht und ihr intimes Privatleben.

 

Es geht also um ein allgemeines Engagement für Kinderschutz und Menschenrechte, denn nach meiner Einschätzung kann man Mädchen und Frauen nur wirklich schützen, wenn man den Blick weitet auf das System, in dem diese Übergriffe stattfinden. Sehr eindrücklich hat das Victor Schiering, der Sprecher der Beschneidungsbetroffenen im Mogis e.V. in seiner Rede auf dem Welttag der genitalen Selbstbestimmung 2018 dargestellt.

 

Für die genitale Selbstbestimmung ALLER Kinder einzutreten war für mich ein längerer Erkenntnisweg. Und da dies in unserer Gesellschaft bislang noch kein Konsens ist, möchte ich ihn hier nacherzählen, damit Sie ihn mitdenken und dann vielleicht verstehen und im Idealfall mittragen können:

 

Kinder können sich nicht allein schützen und die Eltern, die sie beschneiden lassen, glauben Gutes für ihr Kind zu tun. Dieses Denken ist kollektiv tief verwurzelt und braucht unser aller Engagement, um es zu verändern. 

 

Nach unserer Äthiopienreise sind in zunächst zehnjähriger gemeinsamer journalistischer Arbeit mit meiner Kollegin Sigrid Dethloff diverse Artikel, Radio- und TV-Produktionen sowie zwei internationale TV-Dokumentationen entstanden. Auch hier haben wir einen längeren Erkenntnisweg vollzogen und bekamen mehrere Auszeichnungen dafür. 

 

Nach ausgiebiger Beschäftigung mit zunächst der weiblichen Genitalverstümmlung kamen wir durch Zusammenarbeit mit der Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES zum Themenbereich Zwangsheirat, "Ehre", "Ehr"verbrechen und entdeckten bald Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Themen sowie deren Wurzeln in der patriarchalen Gesellschaftsordnung. Hier mehr dazu. 

 

Seit 2006 halte ich Vorträge zu Zwangsheirat und weiblicher Genitalverstümmelung. In meiner Rubrik (Film-)Vorträge finden Sie die diversen bundesweiten Veranstaltungen, in denen ich aufgetreten bin.

 

Seit seiner Gründung im März 2007 besuche ich regelmäßig den "Runden Tisch NRW gegen die Mädchenbeschneidung" und bilde mich hier dadurch laufend fort.

 

2011-2014 war ich ehrenamtlich Mitglied im Vorstand von pro familia Nordrhein-Westfalen.

In diese Zeit fiel das Kölner Beschneidungsurteil (7.5.2012), das erstmals eine nicht medizinisch begründete Jungenbeschneidung als Körperverletzung verurteilte. Zu dem Zeitpunkt wusste ich schon, dass es eine gemeinsame urzeitlich-vorreligiöse Wurzel für Genitalbeschneidungen an Mädchen und Jungen gibt.

 

Denn bereits 2003 hatte ich mit der Lektüre des Buches "Der Beschneidungsskandal" der US-Amerikanerin Hanny Lightfoot-Klein - damals noch erstaunt - erfahren, dass das Problem der weiblichen Genitalverstümmelung keineswegs nur ein rein afrikanisches ist, sondern dass es auch eine 300jährige sexualfeindliche Medizingeschichte  gibt, die in Europa begann und noch heute in Nordamerika in den Neugeborenen-Routine-Beschneidungen an den Jungen weiterlebt, dass auch in Europa noch bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts Klitoris-Beschneidungen an Frauen medizinisch begründet wurden, was heute als abstrus gilt.  

 

Durch dieses Buch wuchs mein Bewusstsein dafür, dass es auch in der Medizin Moden gibt, die scheinbar wissenschaftlich vertreten werden, aber am Ende einer längerfristigen Prüfung doch nicht standhalten können. 

 

So begann mein kritisches Bewusstsein zur Jungenbeschneidung schon etwa 10 Jahre vor dem Kölner Urteil.  2012, im Vorstand von pro familia NRW initiierte und organisierte ich dort dann im  einen Fachtag zur Jungenbeschneidung, der im Herbst 2012 stattfand. Dadurch entdeckte ich weitere, mich noch einmal erstaunende Parallelen zur Mädchenbeschneidung, die bis heute immer noch von vielen Menschen angezweifelt werden, leider auch von vielen Feministinnen. Zur Vertiefung hier meine Betrachtung: "Weibliche Genitalverstümmlung versus Jungen-"Beschneidung - Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede", die nach Diskussion am Runden Tisch NRW gegen die Mädchenbeschneidung von der, von der Landesregierung NRW geförderten Webseite zur Bekämpfung der Mädchenbeschneidung aufgenommen wurde. 

 

Im Frühjahr 2013, nachdem das Thema in den Facharbeitskreisen von pro familia NRW durchdiskutiert worden war, war ich Mitautorin der Stellungnahme von pro familia NRW zur Jungenbeschneidung

 

Im Mai 2014 vertrat ich pro familia NRW als Mitveranstalterin beim Wissenschaftlichen Symposium an der Universität Köln: "Genitale Autonomie: Körperliche Unversehrtheit, Religionsfreiheit und Sexuelle Selbstbestimmung - von der Theorie zur Praxis".

 

Seither beobachte ich die Aktivitäten und Entwicklungen des "Weltweiten Tags der genitalen Selbstbestimmung" und hielt von 2015 bis 2017 alljährlich im Namen von pro familia NRW Reden bei den Kölner Demonstrationen dieses seit 2013 jeweils am 7. Mai stattfindenden Gedenktages - siehe meine Rubrik Reden / Auftritte.

 

2015 besuchte ich zwei weitere Kongresse zur Jungenbeschneidung in Frankfurt und am Essener Elisabeth-Krankenhaus  und lernte in Essen den Kinderchirurgen und Oberarzt Dr. Kolja Eckert (heute Universität Düsseldorf) kennen, der diesen organisierte und mit dem ich dann 2016 zu einem gemeinsamen Vortrag auf dem Kongress der Kinderschutzzentren auftrat, dessen Inhalt wir schließlich in einem Buchkapitel zusammen gefasst haben, zu finden unter Publikationen.

 

So habe ich mich über die Jahre gut vernetzt mit allen Fachleuten und den Vertretern der Betroffenen-Verbände - auch international - und bin über alldem selbst zur Expertin geworden.

 

Bei einer von Mogis e.V. und pro familia NRW ausgerichteten Filmtournee  war ich 2016 mit meinem Film "Hibos Lied - Beschnittene Frauen und die Macht der Tradition" beteiligt. Gemeinsam mit dem israelischen Journalisten und Filmemacher Ari Libsker, der seinen Film "Circumcision" vorstellte und dem Kölner Künstler Gregor Zootzsky , der mit seinem Zeichentrickfilm "Hermes und Aphrodite" die Problematik der mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz von intersexuell geborenen Menschen vertrat, diskutierten wir in München, Düsseldorf, Köln, Berlin zur Frage der genitalen Selbstbestimmung. Hier ein Video-Zusammenschnitt unserer Podiumsdiskussionen und zwei Berichte über diese Tournee: ausführlich und kürzer gefasst.

 

Am 8.5.2017 war ich Referentin beim Fachtag an der Universität Düsseldorf: "Jungenbeschneidung in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme". 

Flyer des Kongresses

Mein Vortrag: „Das Beschneidungs-Erlaubnisgesetz und seine Resonanz in Medien und Organisationen
Abschlussresolution des Fachtages
Mein Bericht über den Fachtag. 

 

 An der Weiterentwicklung der Position von pro familia zur Genitalen Selbstbestimmung,  die im Mai 2018 von der Bundesdelegierten-Versammlung verabschiedet wurde, war ich im Rahmen einer Arbeitsgruppe und kontinuierlich mit Informationen unterstützend beteiligt. 


Betonen möchte ich, dass es mir um wissenschaftlich fundierte Aufklärung geht und um die Einhaltung der Menschenrechte. Wenn ein erwachsener Mensch ausreichend informiert entscheidet, sich beschneiden lassen zu wollen, ist das sein Recht auf Selbstbestimmung und möglicherweise auch sein Recht auf das Ausüben eines religiösen oder traditionellen Rituals. Kinder aber sollten nach meiner Überzeugung vor solchen Übergriffen geschützt werden, damit auch sie später, wenn sie erwachsen sind, selbstbestimmt entscheiden können, was sie für sich wollen, sowohl was Ihren Körper angeht, als auch was ihre Wahlfreiheit in Bezug auf religiöse Zugehörigkeit angeht. 

 

Ich distanziere mich ausdrücklich von allen Versuchen, dieses Thema fremden- oder religionsfeindlich zu missbrauchen. Da gehört es nicht hin.

 

Laut Kindergesundheitsbericht des Robert-Koch-Institutes von 2007 waren 10,9% aller Jungen und 18 Jahren in Deutschland beschnitten, lediglich ein Elftel von ihnen aus religiösen Gründen. Es handelt sich also hier nicht, so wie es oft dargestellt wird, um ein religiöses Minderheitenthema. Es geht uns alle an.


Das Bild unten ist entstanden auf der Jahresversammlung 2017 von Intact Dänemark, der dänischen Organisation, die sich für die genitale Selbstbestimmung aller Kinder einsetzt. Es ist ein schöner Beleg dafür, wie multikulturell die Szene der Aktivisten für die genitale Selbstbestimmung aufgestellt ist.


Aus meiner Sicht ist die genitale Selbstbestimmung ein Beziehungsthema und zwar sowohl zwischen den Generationen als auch zwischen Mann und Frau: Die weibliche Genitalverstümmelung betrifft auch Männer als Partner von beschnittenen Frauen und als Väter, die ihre Töchter schützen könnten, wenn sie sich denn mit diesem Thema befassen würden. Auch überwiegend gilt die Mädchenbeschneidung immer noch als Frauensache. Das finde ich, muss sich dringend ändern und dafür setzte ich mich ein. 

 

Das gleiche gilt umgekehrt für uns Frauen: Vorhautamputationen können negative Auswirkungen auf das Sexualleben haben - auch auf uns als Partnerinnen beschnittener Männer, nachzulesen in der Phimoseleitlinie, die sechs deutsche Ärzteverbände im Dezember 2017 publiziert haben oder ausführlich und sehr eindrücklich dargestellt von Betroffenen, die an ihrer Beschneidung leiden im Buch von Clemens Berger "Enthüllt! - Die Beschneidung von Jungen - nur ein kleiner Schnitt? Betroffene packen aus über Verlust, Schmerzen , Scham". Dieses Wissen finde ich auch für uns Frauen sehr wichtig. So können wir als Mütter unsere Kinder nur wirksam schützen, wenn wir hier aufgeklärt sind. Und als Feministinnen können wir meiner Ansicht nach nicht ernsthaft für Gleichberechtigung sein, wenn wir nicht bereit sind, für den Schutz ALLER Kinder einzutreten, ob Mädchen oder Jungen oder intersexuel geboren, Menschenrechte können nur universell für alle Menschen gültig sein. 

 

Die Jungenbeschneidung ist also definitiv nicht nur Männersache, ebensowenig wie die Frauenbeschneidung nur Frauensache ist. 

 

Wer beschnitten ist, kennt es nicht anders. Die mit der Tradition einhergehende Verherrlichung der Beschneidung, die Diffamierung der Unbeschnittenen als minderwertig, die Tabuisierung, über Sexualität zu reden oder darüber, dass eine Beschneidung Schmerzen bedeutet und bleibende Folgen hat, über all dies nicht sprechen zu können, führt zu einem enormen Mangel an Wissen, selbst in unserer scheinbar so aufgeklärten Gesellschaft.

 

Auch sind in den meisten Ländern, in denen Frauen beschnitten werden, fast immer auch die Männer beschnitten. Und wer beschnitten ist, kennt es nicht anders und glaubt, das, was die eigenen Eltern für gut und richtig erklärten, an den eigenen Kindern fortsetzen zu müssen, weil es doch nicht sei kann, dass die Eltern, die man liebt und die einen lieben, einem sinnlos Schmerzen bereitet haben.  So wird dieses Ritual fortgeführt - inzwischen über Jahrtausende. Ich finde, im 21. Jahrhundert sollten wir endlich so weit sein, dies zu beenden. 

 

Ich möchte zur Aufklärung beitragen und komme gern zu Vorträgen, schreibe Artikel, produziere Radio- oder TV-Beträge, moderiere Diskussionen oder diskutiere mit bei diesem Themenbereich, gern auch auf Englisch und Französisch oder natürlich auch als Dolmetscherin.

 

Ich freue mich auf Ihre Anfrage.

Die Multikulturalität der Beschneidungsgegner: Intaktivisten-Treffen bei der Jahresversammlung von Intact Dänemark